Ein Blick auf die Uhr verrät, es ist schon 16:23 Uhr und in sieben Minuten fängt das nächste Meeting an. Schnell noch einen Schluck Kaffee, der inzwischen kalt geworden ist, dann die Unterlagen rasch zusammengerafft und ab im Laufschritt zur Besprechung. „Hoffentlich kommt der nervige Kollege heute schneller auf den Punkt und die Kollegin „Quasselstrippe“ stellt nicht noch unzählige Zusatzfragen“, denkst Du Dir, während Du noch auf dem Weg bist. „Denn heute Abend will ich mal früher raus, mal wieder etwas für mich tun, Sport machen, vielleicht noch Freunde treffen“, so der Plan.

„Nur kurz die Welt retten …“

Doch wie so oft kommt es mal wieder anders. Die Besprechung zieht sich, anschließend muss das Konzept für den Kunden nochmal überarbeitet werden und der nächste Blick auf die Uhr verrät: Es ist mal wieder spät geworden. Für Sport bist du nun zu müde und Du willst nur noch nach Hause und die Füße hochlegen.

Kommt Dir die Szene so oder ähnlich bekannt vor? Ist Dir schon mal der Gedanke gekommen, dass Du Opfer und gleichzeitig Täter Deiner Routine bist. Pflichtbewusst werden Aufgaben bearbeitet, Strategien und Konzepte entwickelt, geändert und wieder verworfen. Kaum ist eine Aufgabe zu Ende, folgt häufig bereits die Nächste. Wo bleibt bei so viel Aktivität Zeit zum Entspannen, für Zweisamkeit, für Liebe, für Lust, für Muße, kurz fürs Energietanken? Der Sänger Tim Bendzko spricht mit dem Titel „Muss nur kurz die Welt retten“ ein verbreitetes Phänomen unserer Zeit an. Wir sind Macher, ständig aktiv und in einer multimedialen Welt auch ständig verfügbar. Getrieben von der Vorstellung, dass nur der/die Beste überlebt und damit eine Daseinsberechtigung hat. So zwängt sich manch einer bereitwillig oft bis zur völligen Erschöpfung in das Mühlrad beruflicher und privater Aktivitäten. Denn Müßiggang wird in unserer nach Leistung ausgerichteten Gesellschaft nicht selten mit schwach sein gleichgesetzt.

Plan (B)aby – eine top Alternative

Endlich eine sinnvolle Aufgabe haben, Liebe schenken, zu Hause sein, eine eigene Familie gründen und wachsen sehen. Erzählen mir Wunsch-Mamas von ihrer Sehnsucht nach einem Kind, so klingt das oft so, als ob sie erst dann richtig glücklich sein und sich vollwertig als Frau fühlen können. Das Kind, das noch gar nicht da ist, hat dann oft schon so viele Aufgaben zu erfüllen, dass es erst einmal nicht kommt. Hand auf’s Herz, wie wäre es für Dich, wenn Deine Mutter Dich täglich anruft und sagt, „Kind wann kommst Du mich endlich besuchen, ich fühle mich so einsam und unvollständig ohne Dich.“ Wie groß ist dann Deine Lust auf einen Besuch. Die meisten  sagen mir, dass sie so ein Verhalten ganz schön nervig finden. Warum sollte es Deinem Wunschkind also anders gehen?

Ein Baby lässt sich nicht machen

In unserer leistungsorientierten Gesellschaft sind Macher gefragt. Bereits in der Schule lernen wir, wer fleißig lernt schreibt meist bessere Noten. Das ist im Job nicht anders. Wer Überstunden macht, immer vollen Einsatz zeigt, der kommt voran. Beim Kinderwunsch ist das ganz anders. Hier geht es nicht um Leistung. Das ist auch der Grund, warum Intimität nach Zeitplan häufig nicht nur lustkillend ist, sondern auch nicht zwingend zum Wunschkind führt. Gleiches gilt für medizinische Kinderwunschbehandlungen. Sie können eine Hilfestellung sein, mehr nicht.

Bereits jetzt das Leben mehr zu genießen, zu entspannen und selbst die Welt mal wieder mit Kinderaugen sehen, lässt den inneren Druck sinken. Das schafft Raum für Ruhe und Gelassenheit. Und wer glücklich ist, macht sein Glück weniger von anderen abhängig, auch nicht von einem Baby.

Auszeiten vom Alltag.

Gönne Dir immer mal wieder bewusst  Auszeiten vom alltäglichen. Das muss nicht unbedingt ein großes Ereignis sein. Eine in aller Ruhe genossene Tasse Tee oder Kaffee. Ein Stück Schokolade, dass Du ganz langsam auf der Zunge zergehen lässt und Dich darauf konzentrierst, wie sich das Aroma entfaltet. Eine Runde mit dem Rad durch die Natur und sich dabei auf die Gerüche oder Geräusche konzentrieren. Was immer es ist, was Dir gut tut, es sind Deine Kraftquellen. Wenn du magst, erstelle Dir eine Art Best-of-Liste mit Tätigkeiten, die Du liebst. Nutze bewusst jeden Tag Deine persönlichen Auszeiten. Sei bereits jetzt so oft Du kannst glücklich und warte damit nicht bis Dein Baby da ist.