Auf Umwege zum Wunschkind

Ariane (Name geändert) hat bereits vieles in ihrem Leben gemeistert. Die schlanke Frau macht einen warmherzigen Eindruck und gleichzeitig wirkt sie traurig. So gut sie kann versucht sie dies zu verbergen. Ihre Sehnsucht nach einem Kind führt sie zu mir in die Sprechstunde. Ihre Frauenärztin hat ihr den Rat gegeben. Als wir uns kennen lernen ist Ariane 44. Ein Alter, in dem manche Paare ihren Kinderwunsch bereits erfüllen konnten und andere, wie Arianne, mit ihrem Mann, noch voller Tatendrang sind. Als ich sie frage welche Art Hilfe sie sich von mir wünscht, sagt sie: „Ich brauche jemanden, der mir hilft das Leben optimistisch zu sehen und mein Vertrauen in mich und meinen Körper stärkt.“

„Der Körper macht nicht, was ich will“

Ich frage sie, was sie und ihr Mann bislang alles in Sachen Kinderwunsch unternommen haben, was sie selbst glaubt, weshalb das Wunschkind auf sich warten lässt, was sie sich von ihrem Kind wünscht und was wäre, wenn das Kind auch weiterhin fernbleibt? So erfahre ich, dass Ariane viele Jahre schwer krank war und ihre Genesung sich über eine lange Zeit hinzog. „Da war einfach kein Gedanke an ein Kind, denn alle Kraft brauchte ich für mich selbst“, so ihre Antwort. Inzwischen, liegen zwei IVF-Behandlungen, mehrere Rückgaben von zuvor kryokonservierten Embryonen und eine Embryonen-Spende im benachbarten Ausland hinter dem Paar. Arianes Ausführungen klingen wie Laborberichte, angereichert mit Zahlen von Hormonwerten. Spricht sie über ihren Körper, so wirkt dieser eher wie eine fehlerbehaftete Maschine, die nicht in Gang kommen will. Sie wirkt angespannt.

Das Leben lässt sich nicht erzwingen

Um dem Traum vom eigenen Kind eine Chance zu geben, empfehlen die behandelnden Ärzte dem Paar, aufgrund des Alters von Ariane, ins Ausland zu gehen. Für die Beiden ist es eine Alternative. Es ist für sie vergleichbar mit einer Adoption, die bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt stattfindet. Obgleich das Paar alle ihnen gebotenen medizinischen Hilfen nutzt, lässt das Wunschkind noch auf sich warten.

Vielen Kinderwunsch-Paaren nehmen, wie Ariane und ihr Mann, voller Zuversicht jede sich ihnen bietende medizinische Hilfe an. Trotz alle dem erleben sie sich, nach jeder fehlgeschlagenen Behandlung, am Ende machtlos. Ich frage Ariane, nach ihren Vorlieben, Tätigkeiten, bei denen sie die Zeit vergisst. Begeistert berichtet sie mir von ihrem Garten. „Die Erde in den Händen zu spüren, zu pflanzen und die frisch Luft zu genießen, das tut mir einfach gut“, berichtet sie. Ich schmunzle und frage sie, ob sie denn täglich den ph-Wert des Bodens überprüfe und den Samen nochmal ausbuddelt, um nachzusehen, ob schon Wurzeln gewachsen sind? Und schimpfe sie mit dem Boden, wenn sich nicht aus jedem Samenkorn eine Blume entwickelt? „Natürlich nicht“, gibt sie als Antwort und muss lachen. Doch genau das macht sie bei sich selbst, erkläre ich ihr. Sie will kontrollieren, beeinflussen und wenn es nicht so läuft, wie geplant, dann wird geschimpft.

Um die Nerven von Ariane zu beruhigen, zeige ich ihr einfache Atemtechniken, die sie ein oder zwei Mal täglich für ein paar Minuten in ihren Alltag integrieren kann. Mit einer Meditation unterstütze ich sie zusätzlich, sich angenehme Bilder vorzustellen und belastende Gedanken loszulassen. Je öfter sie diese einfachen Methoden trainiert, umso leichter können diese bei Stress ihre ausgleichende Wirkung entfalten.

Die Kräfte der Natur nutzen

Es ist Frühling, die Sonne scheint und die Natur lockt mit allem, was sie zu bieten hat. So gehen Ariane und ich bei unserem nächsten Wiedersehen raus in die Natur. Das Bewegen, die frische Luft und unser Gespräch tuen ihr sichtlich gut. Sie erzählt mir, dass ihre nächste Kinderwunsch-Behandlung mit einer Embryonenspende im Ausland kurz bevor steht. Daher spricht sie auch über ihre unguten Gefühle, die sie bei der vergangenen Behandlung hatte. Damals habe sie bereits geahnt, dass es nicht klappen würde. Umso größer ist ihre Sorge, dass sich dies auch dieses Mal wiederholt. Also frage ich sie, wie sie sich den Ablauf vorstellt, wenn alles perfekt ist. Ich leite sie an, sich ihre Idealbilder bereits jetzt möglichst real vorzustellen und auch das angenehme Gefühl zu fühlen, wenn all dies genauso eintritt. Ihre Gesichtszüge entspannen sich. Ich erkläre ihr, dass diese Zieleplanung etwas ist, was wir bei den allermeisten alltäglichen Dingen tun. Nur benennen wir dies meist nicht so. Die wenigsten Leute sprechen von einem Ziel, wenn sie am Abend Spagetti mit Tomatensoße kochen. Dabei ist es ohne das Wissen, welche Zutaten gebraucht werden, wie das Gericht aussieht und wie es schmeckt, kaum möglich es zu zubereiten. Das leuchtet ihr ein.

Weitere Übungen verpacke ich in kleine Geschichten. Wir lachen viel. Genau diese Momente nutze ich, um bei ihr positive Anker zu setzen. Sie entspannt sich mehr und mehr. Am Ende unseres Rundgangs erkläre ich ihr, wie sie die Anker nun selbst im Bedarfsfall abrufen und auch weiterhin stärken kann.

Ein gutes Gefühl von Sicherheit

Da sie weiß, dass ich unter anderem energetisch mit Reiki Kinderwunschbehandlungen unterstütze, bittet sie mich bevor sie geht, dass ich sie am Tag des Embryonen-Transfers energetisch mit Fernreiki begleiten möge. „Allein die Vorstellung“, so Ariane, „dass sie gedanklich etwas Gutes für mich tuen, auch wenn Sie nicht unmittelbar bei mir sind, gibt mir ein Gefühl von Sicherheit.“ Ich verspreche es ihr.

Als mich Ariane das nächste Mal anruft, ist sie ganz aufgeregt. Sie ist schwanger und kann ihr Glück kaum fassen. Nach allem was ihr Wiederfahren ist, nach den ganzen Aufs und Abs ist ihr Wunschkind nun tatsächlich auf dem Weg. Sie fühlt sich großartig. Ich freue mich mit ihr. Auch für mich sind es immer wieder Sternstunden, wenn aus Kinderwunsch ein Wunschkind wird.